Montag, September 11, 2006

Dedicated To Vera

Aus aktuellem Anlass muss ich den 2. (und vermutlich auch letzten) Teil des Beitrags zum Urlaub 2006 noch ein wenig nach hinten schieben, denn mein schönes Erlebnis am Wochenende will ich doch nun schnellstmöglich niederschreiben.

Endlich bist du gekommen! Ich war mir zwischenzeitlich nicht mehr sicher, ob du überhaupt noch kommen würdest. Nach und nach nahm ich an, du hättest schrittweise dein Interesse (sofern vorhanden) an mir verloren. Doch dann kamst du doch, am Samstag den 09.09.2006. Es sollte wirklich ein schöner Tag werden.

Da es vielleicht wirklich etwas spontan war, hatte ich eigentlich kaum mehr Zeit, meine Wohnung halbwegs vernünftig herzurichten. Ich dachte mir dann aber, dass es eigentlich ja egal ist. Der Zustand meiner Wohnung ist auch ein Teil meiner Persönlichkeit, warum sollte ich dir auch jemand anderen vorspielen? Ich hatte mich in jedem Fall sehr auf deine Ankunft gefreut. Ich konnte deine positive Energie förmlich aus dem Zug heraus wahrnehmen, als dieser einfuhr und du heraus winktest. Das seltsame Etwas unserer Freundschaft, wenn ich es einmal so nennen darf war immer die Tatsache, dass du seit langer Zeit weißt, wie gerne ich dich habe und wie sehr ich jeden Moment mit dir genieße und sei es auch "nur" am Telefon. Du hast mir trotzdem immer schon unmissverständlich klar gemacht, dass du mir hier nicht helfen kannst. Es war, wie du weißt, oft nicht leicht für mich, dir zuzuhören, wie du mir von deinen Dates und deinen Gefühlen berichtet hast. Diese merkwürdige Spannung war auch am Samstag wieder vorhanden, zumindest ich habe sie gespürt, vor allem am Anfang unseres Treffens. Beispielhaft hatte ich deutlich das Gefühl, dass du mir bei der Begrüßung etwas ausgewichen bist, so als hättest du Angst davor gehabt, dass ich dich zu überschwänglich umarmen würde. Dabei hatte ich das gar nicht vor gehabt, schon allein aus Respekt vor der immer gewahrten unheimlichen Distanz zwischen uns, wie ich sie einmal nennen will. Spätestens nach dem Mittagessen hatte ich aber das Gefühl, dass deine Spannung deutlich schwindete. Zu irgend einem Zeitpunkt fühlte ich plötzlich, dass du etwas aufgingst. Ich hatte nicht mehr zwingend das Bedürfnis, dich von meiner Heimat, meinem Leben beeindrucken zu müssen. Ich sah deutlich, dass für dich dieser Tag nicht etwas Unangenehmes war, du warst guter Laune, du lachtest, du redetest, du warst einfach da, mit Leib und Seele.
Wahrscheinlich bilde ich es mir nur ein, aber an der Eisdiele konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, als dass du mich oft lange mit deinen wunderschönen braunen Augen angesehen hast. Ich weiß nicht, was du dachtest, obwohl ich überlegte, die ganze Zeit überlegte. Ich kam zu dem Schluss, dass du ganz sicher meine Gefühle zu dir wieder spürtest, vermutlich intensiver als je zuvor, denn das waren sie auch in diesen Momenten. Und du sahst mich an, als wolltest du dich entschuldigen, entschuldigen dafür, dass du diese Gefühle nicht aufbringen kannst, entschuldigen, weil, obzwar du flehentlich nach jemanden suchst, der dir die Geborgenheit gibt, nach der du dich so sehr sehnst, ich dieser jemand nicht sein kann, nie sein kann. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mehr so richtig, was ich dir noch zeigen sollte an diesem Tag. Ich wollte dich nicht dazu nötigen, noch einmal zu mir in meine Wohnung zu kommen, dich womöglich zu langweilen. Deshalb entschloss ich mich, dir das zu zeigen, was mein Leben in diesen Tagen wohl am meisten bestimmt. Meine besten Freunde, die mich immer wieder hoch ziehen auch wenn es mir nicht gut geht, die mich vergessen lassen, dass es nicht ideal läuft in meinem Leben, Freunde, ohne die ich niemals wäre was ich heute bin.
Als ich sie dir vorstellte merkte ich schon, dass das, obwohl die Idee sicher nicht schlecht war, wohl der Anfang vom Ende unseres gemeinsamen Tages sein würde. Ich konnte nicht ernsthaft annehmen, dass du dich sofort wohl fühlen würdest in dieser klaustrophobisch engen Hütte, in der sich Bier und Schnaps nahezu aufeinander stapelten.
Mein Freund, der in Wien lebt meinte gestern am See, er hätte in den paar Minuten gleich gemerkt, dass du mir wichtig bist, dass ich dich nicht alleine gelassen hätte, so war es auch. Als wir dann am Bahnsteig saßen, und die letzten Strahlen der Sonne genossen, fühlte ich wieder diese Nähe zu dir, die obschon nicht zwanghaft, doch schon sehr stark war. Du lächeltest meistens, wir sagten nicht sehr viel und ich fühlte mich trotzdem in keiner Sekunde unwohl, es war der wohl schönste Moment an diesem Tag. Als der Zug einfuhr und wir schon standen umarmten wir uns und ich merkte, dass von dir nichts mehr da war von diesem einstigen Unbehagen. Ich nahm dann noch kurz deine beiden Hände zur Verabschiedung und ich hatte erneut nicht den Eindruck, dass es dir unangenehm war, im Gegenteil.
Als du mir nach langer Zeit einmal wieder eine SMS schriebst und mir sagtest, dass dir der Tag sehr gut gefallen hat, fühlte ich mich bestätigt. Es war für uns beide ein schöner Tag, nicht nur für mich. Ich konnte glücklich und frohen Mutes den Abend mit meinen Freunden in der "Hütte" begießen.
Unser Telefonat gestern machte da weiter, wo wir am Samstag aufgehört hatten. Ich fühle, dass du mir näher gerückt bist, dass auch ich dir wichtig bin und dass du mir trotzdem vertraust.

Ich lächle, jetzt während ich diese letzten Worte meines Beitrages schreibe. Ich denke an dich und lächle. Weiß ich, ob ich morgen vielleicht weinen werde? Jetzt im Moment lächle ich. Ich lächle und denke an diese Augen. Ich werde noch lange an diese wunderschönen braunen Augen denken müssen.

1 Kommentar:

kraudl hat gesagt…

Eine schöne Geschichte. Möge sie nicht als Tragödie enden.
Dein in Wien studierender Freund.