Sonntag, November 18, 2007

Das Ende der Magie

Vor einer Woche habe ich nun doch auch endlich den 7. Band der so populären Harry Potter Reihe zu Ende gelesen. Wie erwartet war das Buch einsame Spitze, möglicherweise mein Potter - Lieblingsbuch, auf jeden Fall aber das Dramatischste unter den Siebenen. Warum die Serie vor allem unter jungen Menschen so beliebt ist, liegt wohl an der märchenhaften Geschichte, mögen sich viele denken. An den Hexen, den Zauberern, die Mär von den Guten und Rechtschaffenen, die gegen das zuletzt übermächtig erscheinende Böse kämpfen und schließlich obsiegen, so wie es in Kinderbüchern und Fantasieromanen in allen erdenklichen Formen seit langer langer Zeit der Fall ist.
Für mich, so stelle ich fest, ist es eine Flucht. Eine Flucht aus der Realität, der kargen, berechenbaren Muggelwelt, hinein in eine Welt der Magie, eine Welt der Fantasie, der Jugend, aus der ich langsam auszuscheiden drohe, wenn es nicht gar schon passiert ist.

Hier geht es aber heute nicht um eine persönliche Rezension des Buches, sondern um etwas völlig anderes. Ich bin, spätestens im letzten Jahr, endgültig in der Welt der Erwachsenen angekommen. Die jugendliche Leichtigkeit, sich auf andere verlassen zu können, das unendliche Sicherheit spendende Gefühl, dass man ja noch genügend Zeit hat, in der Zukunft den richtigen Job zu finden, einfach alles richtig zu machen, was man in der Vergangenheit vergeigt hat, ist verschwunden. Mit jedem Tag, der ins Land zieht, wächst die Befürchtung, dass nun alles zu spät sein könnte, dass der letzte Tag einer bestimmten Chance unbemerkt abgelaufen ist. Das alles wäre an sich ja gar nicht so schlimm, denn Spaß macht das Leben, wie es heute ist, nach wie vor und trotzdem merke ich, wie ich permanent über die Schönheit der Vergangenheit nachdenke. Die Schönheit der Jahre, als ich 17, 18 Jahre alt war. Und noch weiter zurück, die Welt aus der Sicht eines Kindes. Eine Welt, zwar ganz und gar nicht ohne Probleme, jedoch voller Magie.

Wenn man im kindlichen Alter die Wohnung verließ, so begab man sich stets in eine fantastische Welt, voll von Abenteuern und Mythen. Nie werde ich vergessen, als ich zum ersten mal mit dem Fahrrad zusammen mit einem Freund in die große Stadt fuhr (Traunstein) und dort durch die gigantischen Straßen schlenderte. Beim Müllermarkt im 3. Stock verschlug es mir fast den Atem angesichts dieser nicht enden wollenden Ansammlung an CDs und Kassetten.
Nichts war schöner, als irgendwo in einem abgelegenen Waldstück ein Lager zu bauen, in der Traun zu baden, über hohe Wiesen zu laufen, nichts war aufregender, als in der Lagerhalle von der gegenüberliegende Schreinerei verstecken zu spielen, die ersten male ins Kino zu gehen, sich vom eigenen Taschengeld ein Magnum zu kaufen und nichts war beeindruckender, als in die unergründlichen Tiefen des 3 - Meter - Beckens hinunterzutauchen, den größten Unsinn in der Schule bei Herrn Frenzl zu treiben und gerade noch einmal vor dem gefürchteten "Strich" davonzukommen oder mit 13 Jahren zum ersten mal an einer Zigarette zu ziehen.
Kein Tag war wie der vorhergehende, wenn eine Person, der man vertraute und vor der man Respekt hatte, etwas sagte, dann schenkte man dem Glauben, ganz gleich was sie sagte. Allen Personen, Orten und Gegenständen in dieser Zeit haftete etwas magisches an.
In all den Jahren, die seitdem ins Land zogen, wuchs in mir mit der Zeit etwas heran, das immer größer und stärker wurde, das Wissen.
Und je mehr man von seiner Welt, seinem Umfeld, vom Leben an sich weiß, desto mehr stumpft man innerlich ab, desto mehr verliert sich die kindliche Naivität in den harten, kompromisslosen Strukturen des allgegenwärtigen Bewusstseins. Nichts ist mehr neu. Je älter man wird, desto mehr wächst die Gewissheit, jede Situation ist nicht mit Neugier und Risikofreude, sondern ausschließlich mit Routine und Lebenserfahrung zu meistern. Letztendlich verabschiedet sich irgendwann auch die letzte Magie aus dem Leben. Auf zu neuen Ufern?

Ein Glück, dass es Möglichkeiten gibt, die Magie wieder zu erwecken, eigentlich müsste man sagen, in fremden Welten diese Magie wieder zu finden. Und dazu braucht es nicht einmal Hexen und Zauberer.

1 Kommentar:

Fänt hat gesagt…

Wie recht Du hast... :)